Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde
 Universitätsmedizin Leipzig

Geschichte

Die Anfänge vor 1900
Gründung des Lehrstuhls
Prof. Dr. Artur Knick
Adolf Franz Barth
Wilhelm Lange
Woldemar Tonndorf
Fritz Moser
Friedrich-Wilhelm Oeken
Hartmut Michalski
Friedrich Bootz

Die Anfänge vor 1900

Vor 1900: An der Universität Leipzig wurde die Ohrenheilkunde, damals teilweise noch zusammen mit der Augenheilkunde, schon vom Ende des 18. jahrhunderts an unterrichtet (C.E. Wünsch, J.A. Winter, G.T. Ruete u.a.).

C.-G. Lincke verfasste bereits 1834 ein Handbuch der Ohrenheilkunde.

H. Wendt, ein Politzerschüler, arbeitete über die pathologische Anatomie des Ohres. Weiter ist E.R. Hagen, ebenfalls bei Politzer ausgebildet und dann in Leipzig habilitiert, zu erwähnen. W. Moldenhauer erhielt 1879 die Lehrbefugnis bereits für Otologie und Laryngologie. 1889 erhielt dann R. Heynemann die Venia legendi. Die Genannten betreuten ihre Patienten in privaten Polikliniken. Dagegen war E. P. Friedrich, der sich 1896 habilitierte, Assistent der Medizinischen Poliklinik der Universität. Er wurde dann der erste Fachvertreter in Kiel.

Gründung des Lehrstuhls

1894 wurde die Gründung eines Lehrstuhls für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, verbunden mit einer noch zu errichtenden Klinik beschlossen. Berufen wurde Adolf Barth aus Breslau, der 1896 sein Amt antrat. Unter Barth habilitierte Mitarbeiter: Hermann Preising (später Ordinarius in Köln); Artur Knick (später Privatklinik in Leipzig, Verfasser eines in vielen Auflagen erschienenen Lehrbuchs).

Prof. Dr. Artur Knick

Prof. Dr. Artur Knick wurde am 29. November 1883 in Breslau geboren. In der dortigen Fakultät legte er im Jahre 1907 sein Staatsexamen ab. Im Allerheiligenhospital Breslau, unter Prof. Stern, arbeitete und promovierte er.


  Knick entschied sich für das Fach Oto-, Rhino-, Laryngologie und trat 1909 in die Klinik für Ohren-. Nasen- und Halskrankheiten Leipzig, unter Prof. Barth, ein. Hier stand er von 1912 bis zu seinem Tode am 23.03.1944 im Dienste der Universität, von 1937-1939 als Rektor.
Berufungen nach Prag, Königsberg und Frankfurt am Main lehnte er ab.

Sein Lehrbuch über Ohren-, Nasen- und Kehlkopferkrankungen ist in mehreren Auflagen erschienen. Seine große Zahl wissenschaftlicher Arbeiten hat die Anerkennung seiner Fachkollegen in hohem Maße gefunden und als Praktiker wurde er in weitesten Kreisen geschätzt. (Mit freundlicher Genehmigung von Hannelore Schwokowski)

Adolf Franz Barth

  Barth, in Alsleben/Sachsen geboren, wurde nach dem Medizinstudium in Rostock chirurgisch ausgebildet. Er befasste sich dort und vorübergehend auch in Straßburg bereits mit otologischen Fragen. Dann ging er nach Berlin und wurde Schüler von August Lucae. Es folgte eine erste Berufung nach Marburg. Nach vergeblichen Bemühungen, dort tragbare Arbeitsbedingungen zu erlangen, nahm er 5 Jahre später einen Ruf nach Breslau an, blieb dort aber nur ein Jahr und folgte dann 1896 der Berufung nach Leipzig.

In Leipzig konnte 1912 ein großzügiger Klinikneubau errichtet werden, der 1912 eingeweiht wurde. Offenbar ging das Vorhaben nicht ohne Schwierigkeiten vor sich. In seiner Einweihungsrede sagte Barth: " Ich bitte die hohen Behörden um milde Beurteilung, wenn bei häufig nicht zu vermeidenden Kampfstellungen mir ein etwas kriegerischer Unterton entschlüpfte". Die Klinik hatte in einem Hauptbau neben einer Poliklinik alle in der damaligen Zeit wünschenswerten diagnostischen Einrichtungen, dazu Laboratorien. Dieser Hauptbau war über einer gedeckte Brücke mit dem Bettenhaus verbunden. (Der Hauptbau überstand die Bombenzerstörung im zweiten Weltkrieg und wurde noch bis 2005 genutzt.).

Barth, der 1919 die Stellung eines Ordinarius erhielt, hat sich mit seinen Mitarbeitern vorwiegend mit otologischen und otochirurgischen Fragen befasst. Daneben aber galt Barths besonderes Interesse der Phoniatrie. Er fasste 2 Monographien über " Die Bildung der menschlichen Stimme" und "Klang und Tonhöhe der Sprechstimme".

1924 wurde Barth mit 72 Jahren emeritiert, als Nachfolger erhielt der Lehrstuhlinhaber in Bonn, Wilhelm Lange, den Ruf.

Wilhelm Lange

lange     Unter Wilhelm Lange in Leipzig habilitierte Schüler: Hans Eschweiler (1945 verstorben); Konrad Fleischer (später Lehrstuhlinhaber in Erfurt, dann in Berlin Charité und zuletzt in Gießen); Bernhard Langenbeck (später Ordinarius in Bonn); Moritz Weber (später Chefarzt in Karlruhe); Ernst Ziegler (Militärarzt, an die Klinik kommandiert).

Mit Lange kam der in Bonn habilitierte Alois Esch nach Leipzig.

Weitere Lange-Schüler, die dann unter seinem Nachfolger habilitiert wurden, sind Kurt Dietzel, Günther Habermann und Kurt Schröter.

Lange stammt aus Dresden. er arbeitete zunächst am pathologischen Institut Dresden und Ch. G. Schmorl. Dann bekann er 1902 seine Fachausbildung bei A. Passow in Heidelberg und übersiedelte mit diesem an die Ohrenklinik der Charité in Berlin. Schon 6 Jahre später erhielt er seinen ersten Ruf nach Greifswald, dem dann Berufungen auf die Lehstühle in Göttingen und Bonn folgten. 1924 übernahm er als Krönung seiner Laufbahn das Ordinariat in Leipzig. Dort wirkt er 27 Jahre, erlebte die Zerstörung eines Teils der Klinik, die Auslagerung der Klinik auf das Land und die Not und Sorgen der ersten Nachkriegszeit, bis er schließlich mit dann 76 Jahren sein Amt an seinen Nachfolger übergeben konnte.

Langes bevorzugte Arbeitsrichtung war, seine Ausbildung in der pathologischen Anatomie entsprechend, die Histo-Pathologie des Ohres. Hierzu entwickelte er in Berlin verbesserte Verfahren der histologischen Verarbeitung des Felsenbeins und legte in den folgenden Jahrzehnten eine Sammlung histologischer Schnittserien an, die seinerzeit einzigartig in der Welt war. Sie war die Grundlage seiner Veröfftlichungen, so über die Mastoiditis, die otitischen Komplikationen, das Cholesteatom, die Geschwülste im inneren Gehörgang und vieles andere. Alle seine Aussagen stützen sich bei strenger Kritik und knapper Formulierung lediglich auf das morphologische Faßbare. Alles Spekulative war ihm fremd.

Lange hat mit seiner Arbeiten ganz wesentlich bei der Schaffung der Grundlagen der Otologie mitgewirkt. Von ihm stammen wichtige Handbuchbeiträge (Handbuch von Manasse sowie Henke-Lubarsch), ein Kongreßreferat und viele Einzelpublikationen. Viele Jahre wirkte er als Schriftleiter einer der Fachzeitschriften. Eine Ergänzung des durch die Monographie bestimmten Arbeitsprogrammes der Leipziger Klinik bildete die durch Bernhard Langenbeck eingebrachte audiologische Forschung, mit der gleichfalls Grundlegendes entstand.

Lange, ein stiller, gehemmt wirkender Mann, war ein strenger Chef. Verheiratete Assistenten duldet er nicht. Nachsichtiger in dieser Hinsicht war er erst, als er schließlich mit 60 Jahren sein Junggesellendasein aufgab.

Als Lange 1951 ausschied, wurde als Nachfolger der Chefarzt am Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt, Woldemar Tonndorf, berufen.

Woldemar Tonndorf

tondorf   Unter Woldemar Tonndorf Habilitierte: Kurt Dietzel (später Ordinarius in Greifswald und dann in Rostock); Günter Habermann (später Chefarzt in Chemnitz und dann in Frankfurt-Höchst); Kurt Schröder (später Chefarzt in Dresden und zuletzt Lehrstuhlinhaber in Erfurt).

Tonndorf, geboren in Pößneck/Thüringen, wurde zunächst Seeoffizier. Er quittierte dann vor dem ersten Weltkrieg den Dienst und begann sein Medizinstudium, das durch den Einsatz als Marineoffizier im ersten Weltkrieg (Skagerrakschlacht) unterbrochen wurde. Er wurde dann Assistent in Göttingen, anfangs bei Wilhelm Lange und nach dessen Weggang bei seinem Nachfolger Oskar Wagener. 1929 erhielt er die Chefarztposition in Dresden- Friedrichstadt. 1951, schon 64 Jahre alt, übernahm er den Lehrstuhl in Leipzig.

Tonndorf hatte sich schon in seiner Göttingner Zeit durch physikalische Untersuchungen, unter anderem zur Kehlkopffunktion einem Namen gemacht. Er wies nach, dass die Stimmlippenschwingungen aerodynamischen Gesetzen folgen, er berechnete die Schwingungszahlen nach stroboskopischen Untersuchungen. In Dresden befasste er sich mit der noch im Erprobungsstadium befindlichen Sulfonamidtherapie der Meningitis. Er war ein tatkräftiger Vollblutkliniker und ein temperamentvoller Diskussionsredner, dazu ein umwerfender Erzähler. (Bekannt geworden ist auch sein ältester Sohn, Jürgen Tonndorf, der nach seinem Physik- und Medizinstudium und seiner HNO- Ausbildung in Heidelberg bei A. Seiffert nach dem Krieg nach Afrika ging und dort ein bekannter Audiologe wurde.)

Nach Tonndorfs Tod leitete der Oberarzt der Klinik, K. Dietzel, bis 1958 kommissarisch die Klinik bis zum Dienstantritt des aus Greifswald kommenden Nachfolgers Fritz Moser.

Fritz Moser (1909 - 1986)

Moser Plus Symbol Amtszeit: 1958 - 1975
1944 Habilitation in Jena bei J. Zange
1946 Chefarzt in Erfurt
1951 Berufung nach Greifswald
1958 Berufung nach Leipzig
1975 Ruhestand
1986 in Dierhagen/Ostsee verstorben

Unter Moser habilitierte Schüler: Wolfram Behrendt (Phoniatrie an der Klinik und kommissarischer Klinikleiter an 1992); Gerhard Böhme (später Phoniatrie in München und St. Gallen); Isolde Görisch; Manfred Heinemann (später Phoniatrie in Aachen und dann phoniatrischer Lehrstuhlinhaber in Mainz); Friedrich-Wilhelm Oeken (später Ordinarius in Magdeburg und dann Nachfolger in Leipzig); Hardy Strobel; Tasse Tassew; Joachim Wilke (später Lehrstuhlinhaber in Erfurt).

Weiterer habilitierter Mitarbeiter: Siegfried Mehmke (habilitiert in Greifswald).

Moser stammte aus Ruß im Memelgebiet. Er wurde 1937 Schüler von Johannes Zange in Jena. Dann übernahm er als Nachfolger von Richard Mittermaier die Chefarztstelle in Erfurt und wurde 1951 auf das Ordinariat in Greifswald berufen. 1958 kam er auf den Leipziger Lehrstuhl.

Mosers bevorzugtes Arbeitsgebiet war die chirurgische Krebstherapie. Schon in Greifswald hatte er sich u. a. mit chirurgischen Behandlungsverfahren bei der Rekurrenslähmung am Kehlkopf befasst. Mit seinen Mitarbeitern intensivierte er auch die plastisch-rekonstruktive Chirurgie. Für das Handbuch von Berendes, Link und Zöllner schrieb er, zum Teil mit Mitarbeitern, drei Beiträge über die otogenen Komplikationen. 1965 brachte er zusammen mit seinen Schülern ein zweibändiges Lehrbuch für das Gebiet der DDR heraus, das 1986 eine Neufassung erhielt.

In seiner Amtszeit wurde eine leistungsfähige phoniatrische Abteilung eingerichtet (s. unten).

Mit der Organisation von internationalen Kongressen in Leipzig wirkte er der Isolation in der ehemaligen DDR entgegen. Privat war er als ausgezeichneter Violinspieler musisch interessiert.

Als Moser 1975 in den Ruhestand trat, wurde sein inzwischen in Magdeburg tätiger Schüler Friedrich-Wilhelm Oeken als Nachfolger berufen.


 Friedrich-Wilhelm Oeken (1923 - 2013)

Oeken Plus Symbol  Amtszeit: 1975 - 1989
1962 Habilitation in Leipzig bei F. Moser
1965 Berufung nach Magdeburg
1975 Berufung nach Leipzig
1989 Ruhestand
2013 in Leipzig verstorben

Habilitationen (bzw. „Promotion B") unter Oeken: Roswita Berger (Phoniatrie, später C4-Professur in Marburg); Klaus-D. Glaeske; Gero Grundmann, Hartmut Michalski (später Nachfolger auf dem Lehrstuhl in Leipzig); Heidrun Müller; Ursula Winkler.

Übernommene habilitierte Mitarbeiter: Wolfram Behrendt (s. unten); Isolde Görisch; Hardy Strobel.

Oeken ist Leipziger. Er wurde nach dem Studium in seiner Vaterstadt Schüler von Woldemar Tonndorf und dann Fritz Moser. 1965 übernahm er den Lehrstuhl in Magdeburg und kehrte 10 Jahre später nach Leipzig zurück.

Oekens anfängliche wissenschaftliche Interessen richteten sich auf audiologische Probleme, so auf Fragen des Überhörens und der Vertäubung. Er habilitierte sich mit experimentellen Untersuchungen über die Möglichkeit der Hörverbesserung bei der Hochtonschwerhörigkeit durch Sprachfrequenztransposition. Später befasste er sich mit seinen Schülern mit arbeitsmedizinischen Fragen und allergologischen Aufgaben. Oeken hat in Magdeburg und in Leipzig allein und mit seinen Mitarbeitern nicht weniger als 16 Bücher, meist Lehrbücher für den studentischen Unterricht oder für Ärzte in der Praxis, herausgebracht und damit dem devisenbedingten Fachbuchmangel in der DDR abgeholfen.

Durch Bezug von Stationen in einem größeren 1984 erbauten Bettenhaus im Leipziger Klinikum, zu dem auch moderne Operationsräume gehören, konnte die Raumnot der HNO-Klinik weitgehend behoben werden.

Nachdem Oeken in den Ruhestand trat, wurde 1989 der Oberarzt der Klinik, Hartmut Michalski, berufen.

Hartmut Michalski (*1948)

 Amtszeit: 1989 - 1992
1985 Habilitation in Leipzig bei F.-W. Oeken
1989 Berufung auf den Lehrstuhl in Leipzig
1992 Ausscheiden aus dem Amt

Michalski, geboren in Großröda/Sachsen, ging als Schüler von Oeken aus der Mitarbeiterschaft der Klinik hervor. Sein bevorzugtes Arbeitsgebiet war die Krebschirurgie und die plastisch-rekonstruktive Chirurgie. Er schied im Zuge der personellen Veränderungen an der Universität 1992 aus dem Amt.

Seit 1992 bis Ende 1995 wurde die Klinik kommissarisch von Wolfram Behrendt, dem Leiter der Abteilung für Stimm-, Sprach- und Hörstöhrung, geleitet. In seiner Amtszeit konnte das Hauptgebäude, das die Poliklinik, die diagnostischen Einrichtungen und die Räume für den akademischen Unterricht enthält, restauriert und modern ausgestattet werden.

1994 habilitierte sich Eberhard Meister.

1995 wurde Friedrich Bootz auf den Lehrstuhl berufen.


 Friedrich Bootz (*1952)

Habilitiert 1990 in Tübingen bei H. P. Zenner

Bootz ist Schüler von D. Plester und H. P. Zenner in Tübingen, er hat die plastisch-rekonstruktive Chirurgie als bevorzugtes Arbeitsgebiet.

Die Klinik hatte 1995 70 Betten, es sind dort 24 Ärzte bzw. andere akademisch ausgebildete Mitarbeiter tätig.



 
Letzte Änderung: 22.11.2013, 08:42 Uhr
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